Was? Zahlen muss ich auch noch?

Zahlen!

Manchmal erhalte ich Anfragen von Leuten, die in folgender oder ähnlicher Form um Bilder bitten:

„Hallo. Ich habe auf Ihrer Webseite einige Bilder entdeckt, die ich gerne für meine Produktpräsentation nutzen moechte. Koennen Sie mir die Bilder in moeglichst hoher Aufloesung bitte zuschicken?“

„Guten Tag. Ich wollte Dich nur davon in Kenntnis setzen, dass ich einige Deiner Bilder auf meiner Webseite eingebaut habe. Du darfst auch gerne auf meine Webseite verlinken.“

„Sehr geehrter Herr …
wir sind ein kleines Unternehmen mit einen sehr geringem Werbeetat. Wir würden gerne einige Ihrer Bilder auf unserer Webseite benutzen. Wir moechten Sie darauf hinweisen, dass unsere Seiten sehr häufig aufgerufen werden und dadurch ein enormer Werbeeffekt für Ihre Bilder entsteht. Bitte schicken Sie uns die Bilder an…“

Solche Anfragen verursachen bei mir regelmässig ein Kopfschütteln. Immerhin wird aber zumindest noch angefragt.

Meine Reaktion darauf ist normalerweise immer die gleiche. Ich antworte kurz aber bestimmt, dass ich meine Bilder nicht verschenke, sondern verkaufe. Ebenso, wie der Anfragende ja auch sein Produkt (bei einer geschäftlichen Nutzung) verkaufen moechte und sich dazu meiner Arbeit bedient. Schliesslich gehe ich ja auch nicht zum Bäcker, verlange einen Laib Brot und sage, wenn es mir schmeckt, erzähle ich es meinen Freunden weiter, die dann auch das Brot kaufen kommen – ich selbst kann aber nicht zahlen, weil es in diesem Monat nicht in mein Budget passt.

Die Antworten darauf sind reichhaltig. Manchmal, aber wirklich nur sehr selten, kommt dann eine Antwort, dass man meinen Einwand versteht und um eine konkretes Angebot bittet. Häufiger wird auch Verständnis geheuchelt, aber gleichzeitig auf eine Nutzung der Bilder verzichtet. Man kann sich vorstellen, dass ich diese Seiten besonders im Auge behalte…

Auf die beleidigenden Antworten von Leuten, die anscheinend absolut kein Rechtsverständnis haben, gehe ich mal nicht ein. Und das sind nicht nur Privatleute.

Ganz oft kommt aber die Aussage, dass die Bilder ja für jeden im Internet zu finden, runterzuladen und zu benutzen seien. Klar, das stimmt zwar, aber das heisst noch lange nicht, dass man diese so „erworbenen“ Bilder dann auch rechtmä√üig nutzen darf. Natürlich kann ich kaum verhindern, dass sich jemand meine Bilder auf den heimischen PC zieht und dort z.B. als Bildschirmhintergrund nutzt. Oder aber auf die private Einladungskarte zur Geburtstagsfeier setzt. Das kann ich nicht wirklich unterbinden und es ist auch schier unmoeglich, so etwas zu erfahren.

Aber um diese Klientel geht es mir hier auch nicht. Ich finde es schon sehr unverschämt, wenn Menschen, die mit ihrer Webseite oder ihrem Werbeflyer letztendlich Geld verdienen wollen, meinen, andere würden für sie umsonst arbeiten. Zudem sind die Begründungen fast immer die gleichen: „kein Geld“, „ist eine kostenlose Werbung für Sie“ (also für mich) oder „kann man ja so laden“.

Wie reagiere ich auf so eine Anfrage? Wie oben schon erwähnt lehne ich die Anfrage moeglichst hoeflich, aber bestimmt, ab. Ich biete aber gleichzeitig an, die Nutzungsrechte zu erwerben und bitte um nähere Angaben welche Bilder wo und wie lange genutzt werden sollen. Kommen dann die gewünschten Angaben, hat man sein Ziel erreicht und weiss, dass sein Gegenüber im Prinzip auch schon vorher wusste, dass man eigentlich für die Nutzung zahlen muss. Zur Kalkulation kann man den Honorarechner zu Rate ziehen. Man sollte diesen aber wirklich nur dazu einsetzen, selber einen √úberblick davon zu bekommen, was man verlangen koennte. Die wenigsten zahlen die dort ermittelten Preise, aber so vergisst man zumindest keine wichtige Angabe bei der Berechnung und kennt die maximale Obergrenze.

Bei allen anderen, die es nicht einsehen, dass die Bilder nicht umsonst zu haben sind, kommt kein Geschäft zustande. Ich mache mir da nicht die Arbeit, noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich mit meinen Bildern Geld verdienen moechte und verbiete die Nutzung meiner Bilder ohne Honorarzahlung. Oft kommt dann noch eine mehr oder weniger boese Bemerkung, aber da muss man einfach drüber wegsehen. Im Laufe der Zeit bekommt man da auch ein dickes Fell.

Was aber machen, wenn man ein Bild von sich im Netz entdeckt, bei dem man sich absolut sicher ist, dass es nicht irgendwo käuflich erworben wurde? Absolut sicher bedeutet: das Bild darf nicht bei fotolia oder einer anderen Bilddatenbank zum Verkauf stehen. Die sind nämlich oft auch anderen Bildagenturen angeschlossen, so dass man die Vertriebswege nicht so leicht nachvollziehen kann. Zumindest sollte man bei solchen Bildern nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und im Zweifelsfall einfach drüber wegsehen.

Gut – es steht fest: das Bild ist eindeutig von meiner Webseite geklaut und wird auch über keine anderen Wege im Netz angeboten. Erster Schritt ist, die Webseite zu sichern, indem man einige Screenshots anfertigt. Es hat sich bewährt, auch einen Freund oder Kollegen zu bitten, sich die Seite anzusehen und seinerseits Screenshots zu sichern. Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat man zumindest das Beweismaterial gesichert und auch Zeugen parat. Dabei sollte man ruhig auch mehrere Personen um eine Beweissicherung bitten. Dann geht man daran, den Betreiber der Webseite zu finden. Da die meisten Seiten ein Impressum haben, kann man dort nachsehen. Auch befindet sich auf privaten Seiten sicher irgendwo eine Mailadresse, so dass es relativ einfach ist, Kontakt aufzunehmen.

In einer Mail erklärt man, dass man der Urheber des Bildes ist, das unberechtigterweise benutzt wird. Anschliessend präsentiert man die Rechnung und wartet erst mal ab, was passiert. Ich nutze zur Berechnung meiner Forderung den oben schon erwähnten Honorarechner, jetzt nehme ich aber den dort angegebenen Preis. Ich gebe zu: das soll zunächst einmal den Nutzer des Bildes ein wenig erschrecken. Aber: immer hoeflich bleiben. Keine Beleidigungen oder Drohungen.

Oft kommt dann eine mehr oder wenige entsetzte Antwort, man hätte das nicht gewusst, ist nur Schüler und hat gar nicht so viel Geld, oder andere Ausreden. Damit wäre aber ein Ziel schon erreicht: der Nutzer musste sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen und weiss jetzt, was passieren kann. Vielleicht sensibilisiert ihn das für die Zukunft.

Ich versuche dann, mich mit ihm zu einigen, weise aber auch darauf hin, dass es auch andere Moeglichkeiten gegeben hätte, meine Forderungen durchzusetzen. Denn es gibt auch Zeitgenossen, die gleich zum Anwalt rennen, um eine Abmahnung zu schicken. Daran verdient aber nur der Anwalt. Ich denke, wenn man versucht, sich gütlich zu einigen, bringt das mehr, als gleich auf Konfrontationskurs zu gehen. Wie so eine Einigung aussieht, hängt bei mir in erster Linie davon ab, wie mein Gegenüber reagiert hat. Das kann man nicht pauschalisieren. Handelt es sich aber um eine gro√üe Firma, dann bin ich weniger verhandlungsbereit, als bei Privatanwendern.

Sollte der Nutzer meiner Bilder uneinsichtlich sein, kann es dann auch schon mal etwas deutlicher werden. Man muss ich aber immer vor Augen halten, ob sich der Aufwand auch wirklich lohnt. Oft entfernen die Privatnutzer das Bild von der Seite und entschuldigen sich. Damit kann ich mich auch gut abfinden. Bei Firmen sehe ich das etwas anders, da versuche ich zumindest, dass die bisherige Nutzung bezahlt wird. Immerhin musste ich ja auch Zeit investieren, um meine Forderungen geltend zu machen. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Einen Anwalt einschalten musste ich bisher zum Glück aber noch nie.

Aber man sollte nun nicht denken, dass man so auch immer an sein entgangenes Honorar kommt. Wie schon geschrieben: in der Regel werden die Bilder entfernt, bevor man sich gerichtlich auseinander setzt und dann sollte man sich auch einfach damit zufrieden geben. Allerdings stehen diese Seiten dann auch weiterhin unter verstärkter Beobachtung.

2 Gedanken zu „Was? Zahlen muss ich auch noch?

  • 14. Oktober 2009 um 16:45
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    Sehr schoener Beitrag. Ja, manchmal wundert es mich auch sehr, mit was für einer Selbstverständlichkeit sich im Netz bedient wird. Aber meistens hilft da eine nette E-Mail und ich finde auch Deine Reaktion auf solche Leute mehr als angebracht.

    Antwort
    • 21. Oktober 2009 um 07:05
      Permalink

      Ich habe gemerkt, dass Menschen auf freundliche Mails in der Regel auch ebenso freundlich antworten. Bei Privatseiten mache ich es manchmal auch so, dass ich die Nutzung gestatte, aber ein Hinweis auf mich als Urheber angebracht werden muss. Natürlich mit Link zu meinen Bildern… 😉

      Es wäre so einfach, wenn die Leute nur mal kurz vorher fragen würden…

      Antwort

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