Selfies, oder: „Warst Du eigentlich alleine unterwegs?“

Es gab sie schon immer. Diese neudeutsch-englisch genannten Selfies. Damals nannte man sie Selbstportrait und die Erstellung war manchmal mit etwas Aufwand verbunden, wenn man seine Kamera erst auf ein Stativ stellen und den Ausschnitt festlegen musste. Und wenn der Selbstauslöser (ja – dafür war der da) dann lief, eilte man schnell an den markierten Platz um hoffentlich beim Auslösen auch auf dem Bild zu erscheinen. Das klappte mal gut – mal weniger.

Die „Light“-Variante war dann das sich-selbst-Fotografieren im Spiegel. Und damit man den Kameraschriftzug auch lesen konnte, wurde das Bild unter dem Vergrößerer gekontert. Oder in Lightroom / Photoshop.

Heute hält jedermann/jedefrau einfach das Smartphone vor sein Gesicht – den Ausschnitt kann man dank Backlenses perfekt kontrollieren – und schon geht die Überflutung mit Selbstportraits von den entlegensten Orten los.

Einen Vorteil an dieser Art Fotografie gibt es: früher hat man erzählt, wo man überall mit der Familie im Urlaub war. (Vielleicht erinnern sich noch einige an die langen Diaabende?). Da gab es meistens nur einen, der die Reisen fotografisch dokumentierte. Und der war in der Regel nicht auf den Bildern zu sehen. „Warst Du eigentlich auch mit?“ kam da regelmässig als Frage. Heute fragt man dann „Warst Du eigentlich alleine unterwegs?“