Rezension: Harald Schmitt, „Auf den Punkt“

33 Jahre als Fotoreporter für den Stern

Ich liebte meinen Beruf als Bildjournalist, den ich viele lange Jahre ausüben durfte. Und von daher war ich enorm gespannt, was ein Kollege, der zugegeben für unseren Beruf ein wenig mehr in der Welt herum gekommen war, als ich, so zu schreiben hatte. Und vor allem interessierten mich natürlich die Bilder. Ich kenne einige Fotografen der ‚alten Garde‚ und bin selbst ein Fan der Arbeiten von Robert Lebeck. Ich gebe aber verschämt zu, dass ich den Namen Harald Schmitt mit keinem Foto in Verbindung bringen konnte. Das für mich im Buch bekannteste Foto ist das, in dem der damalige Staatsratsvorsitzende Erich Honecker Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Abschied einen Bonbon am Bahnhof überreichte. Aber das Bild hatten wohl auch mehrere Fotografen im Kasten, so dass mir da die Zuordnung fehlte. Aus diesem Grund ärgere ich mich auch ein wenig, dass ich es versäumt hatte, zur Buchvorstellung in Hamburg anwesend zu sein.

Das Buch liest sich wunderbar in einem Stück, zum Beispiel auf einer Bahnfahrt, da hat man ja im Moment auch auf der kürzesten Strecke viel Zeit zum Lesen. Harald Schmitt beschreibt sein Leben mit dem Journalismus, er schreibt von Problemen, schönen Begebenheiten, Freundschaften und geht auch immer wieder auf kleine Anekdoten ein, wie zum Beispiel die Batterien, die er für das Diktiergerät der schreibenden Kollegen nur dann zufällig doch dabei hat, wenn sie ihm im Gegenzug helfen, seine schweren Objektive zu schleppen.

Er vergisst dabei aber auch nie die Menschen, die ihm während seiner Reisen immer wieder zu Seite standen. Sei es als Dolmetscher oder als Organisator vor Ort. Wer also der Meinung ist, einfach mal einen Flug in den Busch zu buchen, es kommen ja auf alle Fälle gute Bilder raus, der wird hier eines Besseren belehrt: gute Planung ist in den allermeisten Fällen die wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Reportage.

Harald Schmitt hebt aber auch ein wenig mahnend den Finger, dass es heute nicht mehr so einfach ist, als fester Fotograf bei einer Zeitung einen gut bezahlten Job zu bekommen. Das goldene Zeitalter der Reportagefotografen, die von den Redaktionen in die entlegensten Ecken der Welt geschickt werden, längst vorbei ist. Dafür haben Internet und Handykameras schon lange gesorgt.

Etwas enttäuscht bin ich von den Bildern. Vor allem die Farbbilder kommen, zumindest in meiner Ausgabe, teilweise ziemlich matschig daher. Auch habe ich den Eindruck, es fehlt ihnen manchmal etwas an Schärfe. Ich vermute aber dass das eher am Druck als an den Bildern selbst liegt.

Dieses Buch bekommt eine absolute Leseempfehlung von mir. Ich habe es an einem Vormittag komplett durchgelesen und dachte beim letzten Satz nur: ‚Wie? Schon zu Ende?!‘

Weitere Informationen zu dem Buch findet ihr bei Amazon* oder auf der Homeage von Addison-Wesley.

Harald Schmitt – Auf den Punkt
1. Auflage, 39,80 €
Verlag Addison-Wesley

ISBN 382733062

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