Nostalgisches: Die Digitale Filmpatrone

Vor vielen Jahren, als ich gerade erst das WWW für mich gefunden hatte, gelangte ich in eine Gruppe fotobegeisterter Menschen, die sich in einer Newsgroup mit dem Namen de.rec.fotografie austauschten. Für die, die es nicht mehr kennen: Newsgroups waren die Vorläufer der heutigen Foren. Nach einiger Zeit gehoerte ich dort zu den eifrigsten Postern und habe irgendwann dann mal begonnen, das ganze Wissen der Poster in einer FAQ zusammen zu fassen. Man kann die Newsgroup de.rec.fotografie mit einem Newsreader, wie er zum Beispiel auch in Thunderbird integriert ist, auch heute noch abonnieren, lesen und dort auch schreiben. Bequemer geht es inzwischen über ein Web-Interface.

Vor kurzem habe ich mal im Netz geforscht und tatsächlich: das Web vergisst nichts. Ich habe meine ersten Versuche wieder gefunden. Unter http://web.archive.org kann man wohl so alle bisher veroeffentlichten Seiten finden. Zwar fehlen teilweise Grafiken oder auch Links führen ins Leere, aber dennoch lässt sich schoen nachvollziehen, was man früher so geleistet hat. Leider kann ich heute nicht mehr genau nachvollziehen, wann die Seite offiziell ins Netz ging.

Zunächst hatte ich meinen Webspace durch einen Freund auf einem Hochschulserver. Aber irgendwann erkohr ich mir dann die Domain http://www.drf-faq.de aus, auf der die Seiten sehr lange noch lagen. Leider ging dann bei der Umschreibung auf einen anderen Fotografen von meiner Seite aus so einiges schief, so dass inzwischen die Seite auf einen Domain-Grabber registriert und somit sicher nicht mehr für andere nutzbar ist. Inzwischen befinden sich die Seiten im Netz unter http://faq.d-r-f.de. Dennoch sind die alten Inhalte noch immer irgendwo abrufbar und ich werde meine früheren Werke in unregelmässigen Abständen hier veroeffentlichen.

Den Anfang macht die digitale Filpatrone, die sehr laut angekündigt, aber offensichtlich wohl nie Produktionsreife erlangte. Dabei war die Idee eigentlich so simpel, wie genial.

(Bitte beachtet: sämtliche Angaben beziehen sich auf die Zeit, zu der der Artikel verfasst wurde. Das ist bei diesem Artikel der 31. März 2001. Auch die angegebenen Links sind nicht immer aufrufbar. Ich bemühe mich, diese dann aber nicht-klickbar zu machen.)


Die Digitale Filmpatrone

Es muss so Frühjahr 1998 auf der PMA gewesen sein, als die Firma Imagek zum ersten mal auf sich aufmerksam machte. Sie kündigte an, in Kürze das digitale Zeitalter revolutionieren zu wollen. Dazu wollte man eine sog. digitale Filmpatrone entwickeln, die wie ein normaler Film in die Kamera eingelegt werden kann und aus jeder Kamera eine Digitalkamera macht. Die Patrone sollte eine Aufloesung von etwa 1,3 Mio Pixel liefern, was 1998 ja als kleine Sensation galt.

Heute hat die Patrone einen Namen bekommen: EFS-1. Ebenso, wie die Firma Imagek auch: sie firmiert nun unter dem Namen: Silicon Film Technologies. Die Arbeit der Firma beschränkt sich anscheinend aber immer nur darauf, den Erscheinungstag der Patrone immer wieder nach vorne zu verlegen. Boese Zungen behaupten bereits, dass jede Erwähnung der Filmpatrone in der Newsgroup news:de.rec.fotografie das Datum um ein halbes Jahr in die Zukunft verlegt. Bisher hat aber wohl noch niemand eine derartige Patrone live in Aktion gesehen. Berichte über die Patrone gab es immer mal wieder, nur leider waren das bisher immer nur mehr oder weniger Pressemitteilungen von Imagek selber.

Auf der Photokina 1998 war Imagek zwar vertreten, allerdings mit einem offensichtlich nicht funktionierenden Prototyp, der zwar in eine Canon-Spiegelreflex eingelegt wurde, eine digitale Aufnahme, die direkt vor Ort mit dem EFS-1-Modul entstanden war, zeigte der Hersteller aber nicht.

Die Photokina 2000 haben sie dann ganz gemieden.

Was ist denn nun die Digitale Filmpatrone?
Die Idee ist so simpel wie genial: Anstelle des Films wird ein Einsatz in die Kamera gelegt, dessen CMOS-Sensor dort zu liegen kommt, wo normalerweise der Film belichtet wird. Die Aufloesung der Patrone beträgt 1280×1024 und soll 24-30 Bildern Platz bieten.

Da der Einsatz die Groeße einer KB-Patrone hat, kann man jede beliebige Kamera zu einer Digitalkamera machen. Soviel zur Theorie.

Die Praxis wirft aber viele Fragen auf:

  1. Wie erkennt die Patrone, dass eine Aufnahme gemacht wurde?
  2. Wie wird die Patrone mit Energie versorgt?
  3. Sind 1,3 Mio Pixel heute noch zeitgemä√ü und rechtfertigen sie den Preis von 1.500 DM?
  4. Wie erkennt man im Sucher, welchen Ausschnitt man fotografieren muss?
  5. Ist eine Brennweitenverlängerung mit Faktor 2,85 nicht ein Ausschlusskriterium? (Ein 20er würde damit zum 57er.)
  6. Wie wird die Planlage der Patrone gehandelt?
  7. Woran erkennt man, dass die Patrone voll ist oder die Batterie leer? Ev. am Filmfenster, aber dann koennte man nicht *jede* Analoge Kamera umrüsten.

Außerdem sind die Angaben, dass jede Kamera in eine digitale verwandelt werden kann, erst mal relativiert worden. Zur Zeit gibt es nur (lt. Imagek) die Moeglichkeit, die Patrone in folgenden Kameras zu verwenden:

  • Canon EOS 1n
  • Canon EOS 5
  • Nikon F5
  • Nikon F90
  • Nikon F3

Wobei man noch anmerken muss, dass bis auf die F5 keine der genannten Kameras ein aktuelles Modell ist. Die EOS 1n ist durch die EOS 1v ersetzt worden und die EOS 3 hat die EOS 5 verdrängt. Und bei Nikon wurde die F90 erst durch die F90X und dann durch die F100 abgeloest. Die F3 wird seit Ende 2000 nicht mehr produziert. Unbestätigten Angaben zur Folge lehnt Nikon übrigens für alle Kameras, die Imagek-Opfer wurden, die Gewährleistung ab, da die Lagerung der Andruckplatte auf max. 0,5mm ausgelegt sei.

Da aber die Preise der SLR-Digis immer schneller sinken, dürfte der Silicon-Film bald so oder so ad acta gelegt sein. Es sein denn, man legt bei Imagek nach und fertigt… kündigt einen Chip mit 3,1 Mio Pixel für 1.500 DM an….natürlich ebenso vollformatig, wie vollmundig.


Soviel zur eigentlich genialen Idee einer Digitalen Filmpatrone.
Und so sah die Seite von Silicon Film Technologies mal aus. (Archivdarstellung, es fehlen leider einige Bilder und Texte).
Interessant ist vielleicht diese Seite hier noch, eine der letzten, die wohl veroeffentlicht wurden.

One Reply to “Nostalgisches: Die Digitale Filmpatrone”

  1. Har har!!! Die „digitale Filmpatrone“ kenne ich auch noch.. bzw. dass die damals immer durch die Presse ging!

    Auf DAS Teil habe ich dann auch immer gewartet.. klang ja auch so genial. Aber natürlich hatte man bei genaueren √úberlegen damals schon (wie auch von Dir beschrieben) genau die Zweifel, wie das funktionieren sollte… klassische „Vaporware“ im nachhinein.

    Eigentlich muss man sich sogar fragen, ob das wirklich jemals ernstgemeint war, bzw. wenn ja, welche krummen Gedanken die Verantwortlichen hatten.. Mit halbwegs Ahnung kam man ja auf die Kritikpunkte und dass die nicht so einfach loesbar seien, dazu der damals schon absehbare Sinkflug des Preises von Digitalkameras. Vielleicht noch nicht gleich der DSLRs, aber das war vermutlich zweitrangig.. Das Produkt stand also schon vom Timing her schon auf toenernen Fü√üen, jede Verschiebung brachte es dem Ende näher, da immer mehr Digitalkameras mit einer ausreichenden Leistung (optisch/elektronisch) leistbar wurden…

    Wie dieser zuletzt vorgeschlagene unten „ImagePack“ (der ja auch dann das Problem loesen sollte, dass ursprünglich kein Display vorgesehen war, und damit eine der Hauptvorteile der digitalen Fotografie weggefallen wäre) jemals hätte verbunden werden sollen mit der digitalen Filmpatrone bleibt auch rätselhaft… Ich habe mal was läuten gehoert von wegen „wireless“… Klar, machbar. Aber damals schon? Ich denke, das hätte gerade in jenen Preisen das ganze nochmals teurer gemacht.

    Wahrscheinlich kam auch das „ImagePack“ nie über die Zeichnungen hinaus.. und auf der alten Webseite ist das Ding klar nur eine unten an der Kamera angefügte Konzeptzeichnung. Ob da jemals wirklich ein konkretes Gehäuse auf einer Messe sichtbar wurde (geschweige das Innenleben) wei√ü ich gar nicht mehr, irgendwann wurde es halt ruhig um die Geschichte…

    Und.. Ach ja, de.rec.fotografie. Ich entsinne mich.

    War nicht unbedingt immer der „netteste“ Ort.. man hatte zumindest „starke Meinungen“ um es so auszudrücken. Für die blo√üe Erwähnung eines Superzooms (tschuldigung, „Suppenzoom“) wurde man virtuell gevierteilt. Heute sieht man das in den Foren meines Erachtens nach etwas gelassener, je nach Anwendungszweck halt. Digitalfotografie war anfangs auch ziemlich verpoent…. Tja, lang ist’s her und „as time goes by…“

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