Meine ersten Jahre Stockfotografie (II)

<Teil I……….Teil III>
 

Der Anfang

Als Anfänger steht man oft vor der Masse seiner eigenen Bilder, lädt hoch und 90% der Bilder werden abgelehnt. Und das, obwohl Oma und Opa doch gesagt haben, dass die Bilder toll sind. Nun, Oma und Opa wollen ihrem Enkel doch nicht weh tun und so sagen die das eben. Auch die Meinung von Freunden sollte man einfach ignorieren. Ein Stockfoto muss perfekt sein, wenn es Erfolg haben will. Das fängt bei der Motivauswahl an und hört bei der technischen Ausführung auf. Es reicht nicht, seine bisher gesammelten Werke verkaufen zu wollen, sondern es ist äusserst hilfreich, wenn man zunächst ein Konzept für ein Thema erarbeitet und sich bei seinem Shooting an diesem orientiert. Und die Annahme, dass die bereits vorhandenen Bilder sofort der Verkaufsschlager werden – diese Erfahrung hat wohl kaum ein Stockfotograf ausgelassen.
 
Der erste Schritt ist, sich unbedingt über die in den Agenturen dringend benötigten Bilder zu informieren. Einige Agenturen veröffentlichen dazu extra Listen auf ihrer Webseite und daran sollte man sich auch halten. Wenn in der Liste steht „Wir brauchen keine Blumenbilder mehr“, dann lädt man auch keine hoch. Das ist unnötige Arbeit für den Fotografen und die Agentur. Wenn man sich allerdings aus der Liste zunächst erst mal ein Thema raussucht und auch gut ausarbeitet, dann ist die Chance recht hoch, dass diese Bilder es in den Pool der Agentur schaffen. Dazu gehört dann auch, dass man sich die bereits in der Agentur vorhandenen Bilder anderer Fotografen anschaut und möglichst andere Bilder macht. Die müssen sich im besten Falle vom Rest so abheben, dass sie dem Betrachter (= dem potentiellen Käufer der Bilder) möglichst gleich ins Auge springen. Natürlich ist es auch legitim, Bilder anderer Fotografen als Vorbild für eigene Bilder zu nehmen – aber bitte nicht 1:1, etwas eigene Kreativität sollte da schon zu sehen sein.
 
Wer jetzt meint, dass einem die Vorgaben nicht gefallen oder dazu keine Idee oder Möglichkeiten sieht, dies umzusetzen, der kann sich auch an andere Bereiche wagen. Konzeptionelle Fotografie ist ein Bereich, bei dem bestimmte Aussagen bildlich umgesetzt werden. Das können Würfel sein, eine Chilischote auf einer Gabel (um z.B. die Schärfe eines Fernsehers zu dokumentieren) oder Klammern an der Wäscheleine, die ein weisses Blatt Papier halten. Dort kann der Kunde dann seine persönliche Aussage einfügen. Man muss den Markt beobachten und lernen, Trends oder Ereignisse früh genug umzusetzen und man muss Phantasie haben. Wenn man weiss, dass Anfang nächsten Jahres eine Gesetzesänderung kommt, die den öffentlichen Aushang von Zigarettenautomaten verbietet, könnte man jetzt schon beginnen, zu dem Thema seine Bilder zu entwickeln und möglichst früh in die Agenturen zu laden. (Das war jetzt ein fiktives Beispiel). Aber auch ein Blick in einen Kalender, der einige wichtige Ereignisse anzeigt, kann manchmal hilfreich sein.
 
Dieses Beispiel zeigt auch ein weiteres Merkmal der Agenturarbeit: Osterbilder macht man nicht Anfang März, sondern am besten schon im Sommer oder Herbst. Schliesslich braucht man die Osterzeit ja für die Weihnachtsbilder. Es bietet sich immer an, Bilder zu wiederkehrenden Ereignissen zu machen und im Stock zu haben. Aber bevor hier jetzt jemand denkt, „Toll! So mache ich das auch. Her mit der Kamera, Bilder machen und ab damit in die Agenturen!“, dem sei gesagt: es ist verdammt schwer! Und so schnell, wie ich das in einem Satz beschrieben habe, geht das nicht. Es kann eventuell so laufen, aber das ist so selten, wie der berüchtigte Sechser im Lotto. Dazu ist die Konkurrenz einfach inzwischen zu gross. Ausserdem braucht man dafür Zeit und Geduld. Ohne das geht es gar nicht.

Der nächste Schritt: Bilder bearbeiten und hochladen.

Die Bilder sind gemacht, die Qualität stimmt und die Bilder können hochgeladen werden. Aber halt! Wie werden die Bilder denn überhaupt gefunden? Nun, das ist relativ einfach: in den Bildern hinterlegt sind die sogenannten IPTC-Daten. (Im Photoshop (Windows) zu finden unter Datei -> Dateiinformationen). Dort kann man alle relevanten Daten eingeben. Dazu gehört der Name des Fotografen, Adresse und – viel wichtiger –die Stichwörter, die das Bild möglichst genau beschreiben. Dabei sollte man aufpassen, dass die Stichwörter (Keywords) auch richtig sind. Einerseits richtig geschrieben, das sollte klar sein, aber auf der anderen Seite auch ohne Wörter, die nicht zum Bild gehören. Das so genannte Keyword-Spamming ist nicht gerne gesehen und viele Agenturen lehnen Bilder mit falschen Stichwörtern einfach ab. Diese Dateiinformationen werden beim Einspielen in die Datenbank in der Regel übernommen und man muss sich darum nicht mehr kümmern. In den meisten Fällen. Kontrolle ist aber auch hier besser.
 
Nachdem nun die Daten eingegeben wurden, kann man je nach Agentur die Bilder per FTP oder Webformular hochladen. Die Agentur Zoonar bietet beispielsweise keinen FTP-Zugang an, dafür aber den Upload mit Hilfe eines eigenen kleinen Programms. Die Daten für den FTP-Upload bekommt man normalerweise auf der Webseite der Bildagentur. Manche Agenturen lassen FTP-Uploads noch nicht für neue Mitglieder zu, sondern man muss erst einige Bilder online haben. Andere stellen die Zugangsdaten auch erst auf Mailanfrage zur Verfügung. Diese Informationen bekommt man aber in der Regel alle auf den Seiten der Agenturen. Notfalls fragt man eben einmal kurz per Mail an. Ein gutes und kostenloses Programm zum Dateiupload ist zum Beispiel FileZilla.
 
Hat der Upload geklappt, kann man in seinem Administrationsbereich die Bilder kontrollieren. Dort bekommen sie meistens einen Status „in Bearbeitung“ und das bedeutet nichts anderes, als das die Selektoren (Bildredakteure) sich die Bilder anschauen, bewerten und dann entweder in die Datenbank aufnehmen oder ablehnen. Ist ein Bild aufgenommen, so dauert es meistens einige Zeit, bis es über ein Stichwort in der Datenbank gefunden wird. Also nicht ungeduldig werden, wenn es nicht gleich gefunden wird.
 
Wird ein Bild abgelehnt, dann kann man sich die Mühe machen, die ganze Ablehnungsbegründung durchzulesen, dann weinen und alle angegebenen Gründe abzuarbeiten. Manchmal darf man abgelehnte Bilder nach Beseitigung der (vermeintlichen) Fehler noch einmal hochladen. Ich lade grundsätzlich kein Bild zweimal bei einer Agentur hoch. Ich empfehle jedoch, die Begründung kurz zu überfliegen und dann zu vergessen. Ohnehin sollte man auf die Ablehnungsgründe aller Bildagenturen nicht allzu viel geben. Die amerikanischen bemängeln häufiger das Bildrauschen, da sollte man drauf achten, aber sonst kann man die Begründungen eigentlich ignorieren. Ärgern hilft da sowieso wenig, denn in der Zeit hat man vielleicht schon wieder massig Fotos anfertigen können. Und was der eine nicht annimmt, wird bei einer anderen Agentur vielleicht der Renner. So etwas kann man nie voraussehen. Solche Renner sind allerdings eher selten.
 
Mit Shutterstock liege ich allerdings immer noch im Kampf um die 70% Bilder, die in der Erstlieferung angenommen werden müssen. Zu Beginn war das ein reiner Lernprozess, da ich die Ablehnungsgründe intensiv studierte und umzusetzen versuchte. Inzwischen ist mir das völlig egal. Oft wird über Dinge gemeckert, die ich auf den Bildern nun gar nicht so erkennen kann. Bildrauschen ist ein gern genommener Ablehnungsgrund – ich glaube, das schreiben die auch, wenn das Bild komplett mit dem Weichzeichner verunstaltet ist. Inzwischen ist mir Shutterstock egal. Wenn ich mal Lust habe und die paar Wochen Sperrfrist nach der Ablehnung wieder vorbei sind, lade ich dort zehn unbearbeitete Bilder hoch und freue mich wieder über die unsinnigen Begründungen. Wenn meine Bilder nicht gut genug sind, dann eben nicht. Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Auch, wenn andere Fotografen dort viele Bilder verkaufen, ich nicht.

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