Klassisches Eigentor per Elfmeter

Bild von Antonio Doumas auf Pixabay

Ich habe mir schon lange vorgenommen, meinen Blog wieder mit Leben zu füllen. Die Diskussion um die (nicht-) Wiedereinführung der Meisterpflicht nehme ich jetzt mal zum Anlass.

Kleine Vorgeschichte: Die Politik diskutierte in diesem Jahr über die 2003 abgeschaffte Meisterpflicht in einigen Berufen und wollte sie in einigen Berufszweigen jetzt wieder einführen. Für die Fotografeninnung war der Centralverband deutscher Berufsfotografen (CV) am Tisch – und nur der. Verbände, wie Freelens, der BFF und andere waren gar nicht erst eingeladen worden.

Der CV versuchte, mit mir sehr unverständlichen Argumenten, die Politik davon zu überzeugen, die Meisterpflicht im Fotografenhandwerk wieder einzuführen. Anfang September fiel dann die Entscheidung, in welchen Berufen die Meisterpflicht wieder eingeführt wird – der Fotografenberuf war nicht dabei. Ziel verfehlt, CV. Aber warum?
Die Argumente, die der CV da anbringt, kann man auf der Webseite der Zeitschrift ProfiFoto nachlesen und sich selbst einen Eindruck der Absurdität der „Beweise“ überzeugen.

Mich, als Fotografengeselle, ärgert aber eine Aussage masslos, die die Überheblichkeit dieses Verbandes deutlich zum Ausdruck bringt.

„Ein Fotograf ohne Meisterprüfung kann nur den Auslöser betätigen und weiß nicht wie er das Bild im Entstehungsprozess verändern kann.“

Alleine diese Aussage ist ein Tritt in das Gesicht eines jeden Gesellen im Fotografenhandwerk, die hier als minderbemittelte und fachlich inkompetente Gehilfen dargestellt werden.
Aber gleichzeitig schiesst der CV damit – wie die Artikelüberschrift schon sagt – ein klassisches Eigentor. Und das auch noch per Elfmeter. Denn hinterfragt man das Ganze, kommt man schnell auf die Frage: „Wer bildet die Gesellen eigentlich aus?“. Das sind doch die so hochgelobten Fotografenmeister. Aber offensichtlich haben die ja doch nicht so viel Fachkompetenz in der Meisterprüfung beigebracht bekommen, wenn sie nur schlecht ausgebildete Gesellen hervorbringen können. Lieber CV – das war nichts. Gesellenprüfung nicht bestanden.

Was den CV selbst angeht, habe ich bisher zweimal mit denen zu tun gehabt. Das erste mal, als ich 1983 meine Lehre begann und 1986 erfolgreich beendete. Da gab es nämlich ein Berichtsheft in Form eine Hochglanzmappe, in der ich für jedes Lehrjahr bestimmte, sich steigernde fotografische Aufgaben erledigen musste. Und diese Mappe durfte ich auch selbst bezahlen.
Das zweite Mal, dass ich mit dem CV zu tun hatte, ist jetzt, 33 Jahre später, als ich über die Wiedereinführung der Meisterpflicht hörte. In den Jahren dazwischen habe ich von dem Verband – der ja eigentlich mich als Berufsfotograf vertreten sollte – nichts wahrgenommen. Und ich behaupte mal, vielen anderen Fotografen geht es ebenso.

Übrigens hat der CV auch über den verstorbenen Fotografen Peter Lindbergh berichtet. Dieser hatte keinen Meistertitel und war – wenn man dem Wikipedia-Eintrag glauben darf – nicht mal ein ausgebildeter Fotograf. Da wundert es dann doch, wie ein berufsfremder es geschafft, sich als internationaler Spitzenfotograf durchzusetzen, wo doch eigentlich nur Fotografenmeister dazu in der Lage sind.

Kleiner Nachtrag: Auf der Mitgliederversammlung 2019 waren sage und schreibe sechzehn (16) Mitglieder anwesend. Immerhin mehr, als 2018 – da waren es wohl nur dreizehn (13). Klingt für mich nach einer kompletten Bankrotterklärung.

Zum Schluß noch einige Links zu Artikeln, die dieses Thema ebenfalls behandeln.

Credit: Antonio Doumas auf Pixabay